Der Vagusnerv als das Tor zur Entspannung

Der Vagusnerv führt sein Eigenleben in Ihrem Körper, ohne dass Sie willentlich viel daran ändern können. So haben Sie z.B. auf die Verdauung nur wenig Einfluss, es sei denn Sie nehmen ein Abführmittel. Ich denke, nach dem Buch „Darm mit Charme“ von Giulia Enders darf ich offen über die Verdauung schreiben. Dass unser Lebensstil einen großen Einfluss auf das autonome Nervensystem (ANS) hat, ist seit langem bekannt. Stress ist der bekannteste Verdächtige. Wenn Sie im Dauerstress sind, dann feuert der erregende Nervenstrang (Sympathikus) und der beruhigende Vagusnerv flackert nur noch in bisschen. Medizinisch ausgedrückt bedeutet das: Der Tonus des Sympathikus ist hoch, der Tonus des Vagus dagegen niedrig. Wenn diese ungesunde Konstellation des ANS lange anhält, steigt das Risiko, an einer Depression, zu erkranken.

Bei Depressionen sind bestimmte Messwerte beeinträchtigt, die den Zustand des ANS definieren. Sowohl die Herzfrequenzvariabilität (HRV: heart rate variability) als auch die respiratorische Sinusarrhythmie (RSA) sind eingeschränkt.

Eine hohe HRV weist auf die Fähigkeit des Organismus hin, sich an äußere Erfordernisse anzupassen. Der Organismus erhöht bei körperlichen oder psychischen Belastungen ganz autonom die Herzfrequenz. Bei Entlastung und Entspannung sinkt die Schlaggeschwindigkeit des Herzens wieder. Im Ruhezustand kann ein Herzschlag länger dauern als der andere. Die Veränderungen des zeitlichen Abstandes zwischen zwei Herzschlägen werden als HRV bezeichnet. Die Respiratorische Sinusarrhythmie (RSA), beschreibt die atemsynchrone Schwankung der Herzfrequenz. Bei der Einatmung erhöht sich die Herzfrequenz (d.h. das Herz schlägt schneller), bei Ausatmung sinkt sie wieder. (Wikipedia)

Eine Studie von Andrea Chambers und John Allen zeigte, dass parallel zur Besserung der Depression die Respiratorische Sinusarrhythmie zunahm und gleichzeitig die Herzfrequenz abnahm. Die Patienten wurden nur mit Akupunktur behandelt, sodass ein pharmakologischer Einfluss auf das Ergebnis ausgeschlossen werden konnte. Aus der Beobachtung lässt sich schließen, dass ein Ansprechen auf eine antidepressive Behandlung mit einer deutlichen Zunahme des Vagus-Tonus einhergeht.

Wäre es da nicht wundervoll, den Tonus direkt beeinflussen zu können. Bethany Kok konnte in einer Studie belegen, der Vagustonus bei der Liebenden-Güte-Meditation (Mettameditation) deutlich steigt. Bangalore Kalyani beobachtete in einer Studie, dass das OM Chanten im Yoga zu einer Stimulation des Vagusnervs führt. So lässt sich die Liste der Studien endlos weiterführen. Ob Bewegung, Gespräche oder Psychotherapie, alles steigert den Tonus. Die Aussagefähigkeit der Studien ist banal. Alles was Sie „herunterfahren lässt“, erhöht auch den Tonus Ihres Vagusnervs erhöhen. Entscheidend ist aber, dass sich der Vagus-Tonus langfristig verbessert. Dazu bieten Heilpraktiker eine Bio-Feedback-Analyse an, gerne auch zur Messung Ihrer Burnout-Anfälligkeit. Da lernen Sie auf der körperlichen Ebene mittels HRV-Messung, was Ihnen guttut und was nicht.

Wenn Sie nicht immer auf ein Messgerät angewiesen sein wollen, dann lernen Sie Ihren Körper mit achtsamem Yoga oder dem Bodyscan besser kennen. Dann steigern Sie ganz von allein Ihren Vagustonus. Gleichzeitig verbessern Sie damit auch Ihre Verdauung, denn der Vagusnerv hat eine VIP-Verbindung zu Ihrem Darm – mit Charme.

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