Glaube ans Universum

Glaube ans Universum

„Das schicke ich ans Universum“ ist ein Spruch, den ich immer wieder in der Yoga- und Heilerszene höre. Dieser Glaube scheint mir so einfältig wie mein Wunschzettel, den ich als Kind an die Fensterscheibe gehängt habe. Letztens weigerte sich meine Kollegin die Fenster unseres Yogaraums zu putzen, denn auch sie vertrautete dem Universum. Leider ohne Wirkung, denn die Fenster waren nach einem halben Jahr noch nicht geputzt.

Dazu muss ich sagen, dass sich in meinem Umfeld viele enttäuschte Christen tummeln. Sie haben schlechte Erfahrungen in der Kirche gemacht, seien es autoritäre Schikanen oder gar Misbrauch. Doch die Sehnsucht nach einer übergeordneten Weltordnung ist geblieben. So kursiert auch die Meinung, Yoga sei weltanschaulich neutral. Dies ist ein Irrglaube, der sich deshalb beharrlich verbreiten kann, weil das westliche Verständnis von Yoga sehr oberflächlich ist. Yoga wird als Gymnastik und Entspannungsmethode betrachtet. Dabei ist es eine philosophische Strömung aus grauer Vorzeit.

Ich habe lange mit Chatgpt diskutiert, ob ein Materialist Yoga machen kann. Bis schließlich die KI klein beigegeben hat. Am Ende unserer Diskussion hat sie zugestanden, dass Atheisten zwei der fünf Regeln zur Selbstdiskziplin (Niyama) nicht erfüllen kann. Die Disziplin der Selbsterforschung (Svadhyaya) fordert das Lesen der alten Schriften. Aber ein Agnostiker wird, wenn er die Veden liest, den Aussagen widersprechen. Diese setzen nämlich voraus, dass es eine höhere Macht (Brahman) gibt. Geschweige denn wird er die Übung der Hingabe an Gott (Ishvara Pranidhana) praktizieren können. Diese ist nach dem Yoga Sutra des Patanjali eine der wichtigsten Regeln.

Der Glaube ans Universum kennt keine Religion. Man kann sich die Welt so machen wie es einem gefällt. Er kennt keine Dogmen, das macht ihn in einer freiheitsliebenden Gesellschaft so attraktiv. Man muss sich nicht unterordnen, keine Regeln einhalten. Im negativsten Fall führt er zu asozialem Verhalten wie bei meiner Kollegin.

Nach oben scrollen