Das Yoga Sutra ist die wichtigste Schrift des Yoga. Man vermutet, dass es 200 – 300 n. Chr. entstanden ist. Sutra bedeutet Faden. Patanjali hat es als Leitfaden für alle Yogaübenden verfasst. Kurz und prägnant hat er das Wissen seiner Zeit in 196 Versen komprimiert. Ohne einen Kommentar ist es für den Laien schwer zu verstehen.
Das erste Kapitel beginnt mit der Definition von Yoga: “Yoga ist die Beruhigung des Geistes”, dies kann durch Meditation und Konzentration stattfinden. Krankheit kann dabei ein Hindernis sein. Ein Mensch, der fest im Glauben verankert ist, braucht keine Meditation. Das Ziel des Yoga ist die Erleuchtung (Samadhi).
Im zweiten und dritten Kapitel beschreibt Patanjali das Leiden (kleshas) und den achtfachen Pfad. Dieser führt aus dem Leiden heraus. Die acht Pfade sind: die ethischen Regeln (Yamas), die Verhaltensregeln (Niyamas), die Körperübungen (Asanas), die Atemkontrolle (Pranayama), der Rückzug der Sinne (Pratyahara), die Konzentration (Dharana) und die Meditation (Dhyana), die in den Zustand der Erleuchtung führen (Samadhi). Aber bei der Praxis können übernatürliche Fähigkeiten (siddhis) entstehen, vor denen Patanjali warnt.
Im vierten Kapitel wendet sich Patañjali dem Endziel der Praxis und Philosophie zu, die er bis zu diesem Punkt dargelegt hat. Das Kapitel trägt die Überschrift Kaivalya. Kayvalya kann als “der Zustand des Alleinseins” übersetzt werden. Es bedeutet die Trennung von Bewusstsein (Purusha) und Natur (Prakriti). Die Seele muss nicht mehr das Leid ertragen, das aus der unerwünschten Vermischung entsteht. Patanjali beschreibt das Yoga-System als einen Weg, mit dem die Seele von der Materie befreit und die ewige Wiedergeburt beendet wird. Hier lässt sich ganz klar erkennen, dass das Yoga Sutra eine Schrift der Samkhya Philosophie ist.
In den folgenden Beiträgen beschreibe ich, wie man die Yoga-Philosophie des Patanjali in den Unterricht bringen kann:
