Natürlich spricht kein Yogalehrer über Schmerzen, das passt nicht in das Bild, das die Teilnehmer über ihren Yogalehrer haben. Aber ist es ein Wunder, dass wir Yogalehrer Schmerzen entwickeln? De facto sind Yogalehrer Leistungssportler, die 7,5-15 Stunden die Woche artistische Bewegungen ausführen. Auch ich habe mich in den letzten beiden Jahren mit Schmerzen nach dem Unterrichten herumgeplagt. Beim Zeigen der Übungen und beim Mitmachen war ich zu oft an die Grenze meiner Bewegungsfähigkeit gegangen. Das Ergebnis waren stechende Schmerzen in der Hüfte. Angeblich wie ich jetzt weiß, ein weit verbreitetes Phänomen unter Yogalehrern. Das Iliosakralgelenk und die Bänder der Hüfte lockern sich durch das viele Dehnen und die Schwerkräfte in asymmetrischen Standhaltungen.
Nach fast zwei Jahren Hüftschmerzen habe ich mich entschieden, offen darüber zu reden. Die Schmerzen waren Ende letzten Jahres so stark, dass ich überlegte nicht weiter zu unterrichten. Das MRT zeigte keine gravierenden strukturellen Schwächen, die die Schmerzen erklären konnten. Erst als ich endlich einen Platz beim Physiotherapeuten erhielt, löste sich der der Teufelskreis aus Schmerzen, Vermeidung und Verspannung. In meinen düstersten Minuten sah ich mich im Rollstuhl sitzen. Nach zwölf Terminen und regelmäßigem Wiederholen der Übungen zu Hause bin ich nun fast schmerzfrei. Das hätte ich vor drei Monaten im Traum nicht gedacht.
Allerdings wären mir die Hausaufgaben, die ich vom Physiotherapeuten bekam, ohne ein umfassendes Yogaprogramm viel zu eintönig gewesen (zum Beispiel 10 Mal Schulterbrücke mit ausgestrecktem Bein). Aber der Physiotherapeut war offen und an Yoga interessiert. Geduldig suchte er nach passenden Yogaübungen. Natürlich gab es immer eine Übung, die gut passte. Interessanterweise gehörten diese Übungen absolut nicht zu meinen Lieblingsübungen (wie zum Beispiel das Kamel oder der Kniestand). War mein Übungsprogramm, das ich zu Hause und im Unterricht anleitete, zu einseitig geworden? Hatte ich mich verleiten lassen, primär die beliebtesten Yogaübungen zu unterrichten, die Standhaltungen: Dreick, Krieger, Winkel, Seitbeuge, Halbmond…. In den Standhaltungen liegt die volle Last des Rumpfes auf dem Hüftgelenk, die Beide sind gegrätscht, ein Bein gedreht. Autsch!
Doch jede Krise birgt ihre Chance. Meine nächsten Yogastunden werden viele kräftigende Übungen enthalten. Melde Dich doch gleich hier an…

