Beharrlichkeit und Gleichmut (Yoga Sutra I – 12)

Patanjali gibt im Sutra 1-12 den Tipp, mit Beharrlichkeit und Gleichmut zu üben, dann kommt man am schnellsten zum Ziel. Im ersten Moment erscheinen seine Anweisungen widersprüchlich. Einerseits rät er dazu, diszipliniert die Übungen zu wiederholen. Andererseits rät er zu Lockerheit beim Üben. Wie lassen sich diese scheinbar konträren Haltungen vereinbaren?

Man muss den goldenen Mittelweg finden. Wenn ich zu verbissen übe, können sich mein Körper und mein Geist nicht entspannen. Nehme ich dagegen das Üben nicht ernst genug, werde ich meinen Geist nie zur Ruhe bringen.

Abhyâsa–vairâgyâbhyâm tan–nirodhah

Durch beharrliches Üben (Abhyasa) und Gleichmut (Vairagya) kann die dynamische Stille des meinenden Selbst (citta) erreicht werden.

Yoga Sutra I-12, Übersetzung Sriram

Einführung in die Stunde: Wie komme ich in den Flow-Zustand

Wie die Schüler üben sollen, habe ich Anhand des Flow-Begriffs von Ciskcentmihalyi erklärt. Jeder Schüler kennt das Gefühl von Flow beim Arbeiten. Es ist ein Zustand, indem die Arbeit leicht von der Hand geht und die Zeitgefühl verfliegt. Um in diesen Zustand zu kommen, muss die Aufgabenstellung genau passend sein. Sie darf nicht überfordern aber auch nicht unterfordern.

Wähle die Übungen so aus, dass sie von jedem Schüler ausgeführt werden kann. Biete Alternativen, wenn Du siehst, dass ein Schüler überfordert ist. Führe die Ampel aus dem Yin-Yoga ein. Erkläre den Schülern, dass sie zwischen rot und grün im orangenen Bereich üben sollen. Rot bedeutet, dass die Übung zu schwer ist und möglicherweise zu Schmerzen, Muskelzittern oder Krämpfen führt. Grün bedeutet, die Übung hat keine Wirkung, sie ist weder kräftigend noch spüre ich eine Dehnung.

Übung 1: Grenzen wahrnehmen

Die Schüler heben die Arme solange in die Höhe, bis sie unangenehme Empfindungen spüren. Gib den Schülern Raum, die Empfindungen zu beschreiben.

Es ist wichtig, dass die Schüler lernen, diese unangenehmen Empfindungen wertzuschätzen. Es sind hilfreiche Signale des Körpers, die die Grenzen spürbar machen. Ich kenne viele Schüler, die ihre Grenzen nicht wahrnehmen können oder nicht wahrhaben wollen. Das ist für mich überhaupt nicht verwunderlich, denn wir alle sind gedrillt auf Leistung. Meine Anleitung passe ich darauf an und ermutige meine Schüler immer wieder, nur mit 80% ihrer Fähigkeiten zu üben.

Übung 2: Lockerheit üben

Leite die Schüler an, den Krieger 1 so zu üben als würden sie auf einem Schwebebalken stehen. Es ist eine Herausforderung so im Gleichgewicht zu bleiben. Der Geist ist zwar fokussiert in dieser Übung, aber nicht locker. Lass die Schüler experimentieren, wie sie die Haltung verändern können, um entspannter im Geist bleiben zu können. Leite die Beinstellung richt an. Damit können die Schüler wahrnehmen, wie sie im Yoga in einen Zustand des Flow kommen können.

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