Die Geschichte des Yoga führt uns bis in das Jahr 2800 v. Chr. Damals entstanden im Indus-Tal, im heutigen Pakistan, große Städte mit einer eigenen Kultur. Die Indus-Kultur gilt als eine der frühesten städtischen Zivilisationen. Bei Ausgrabungen fand man unzählige Siegel aus Ton. Auf einigen sind Menschen in Körperhaltungen abgebildet, die dem heutigen Yoga ähneln. Dies legt die Vermutung nahe, dass man schon vor 5000 Jahren Yoga praktizierte. Doch solange man nicht entziffern kann, was auf den Siegeln steht, bleibt reine Spekulation. Wissenschaftlich belegt ist, dass Yoga etwa 2500 Jahre alt ist. Den Begriff Yoga findet man erstmals in den vedischen Schriften.
Yoga oder yui bedeutet “Anschirrens an etwas”.
Samkhya
Am Ende des vedischen Zeitalters, ca. 800 – 500 v. Chr. entwickelten sich sechs verschiedene philosophische Richtungen. Eine davon war Yoga, eine andere Samkhya. Samkhya ist die Theorie und Yoga die Praxis. Beide vertreten ein dualistisches Weltbild. Auf der einen Seite steht das Bewusstsein (Purusha), auf der anderen die Materie (Prakriti). Auch Denken und Fühlen werden der Materie zugeordnet. Losgelöst von der Materie gibt es einen Beobachter, der in der Lage ist, das Denken und Fühlen zu beobachten. Aber solange das Bewusstsein in einem vergänglichen Körper gefangen ist, bleibt es den triebhaften Kräften des Körpers ausgeliefert. Werden aber die Gedanken ruhig, so kann “der Beobachter sich selbst in seiner wahren Natur” erkennen. Dann wird das reine Bewusstsein erkennbar. Ishvara ist in dieser Philosophie mit Gott gleichzusetzen. Ishvara ist reines Bewusstsein und unendlich. Alle Übungen des Yoga zielen daraus ab, das reine Bewusstsein zu erkennen. Das reine Bewusstsein wird von den triebhaften Kräften befreit.
Vedanta
Etwa 800 n.Chr. entwickelte sich die Philosophie des Vedanta. Im Gegensatz zum Samkhya vertritt es ein monistisches Weltbild. Nach Auffassung des Vedanta ist die Welt eine Illusion. Begrenzt durch unsere Wahrnehmungsorgane können wir die Realität nur durch eine verzerrte Brille sehen. Jenseits der Illusion gibt es eine absolute Realität, genannt Brahman. Yoga ist die Methode, die uns erkennen lässt, dass Brahman auch in uns ist. Brahman ist ein göttliches Prinzip, das in allen Wesen vorhanden sind. Das ist der Einheitsgedanke des Vedanta. Alles ist Teil von Brahman und Brahman ist in allem. Wenn wir das erkennen, dann wissen wir auch, dass wir identisch sind mit der gesamten Existenz. Alles, was existiert ist Brahman und unsere wahre Identität ist Atman, der sich nicht von Brahman unterscheidet.
Philosophische Schriften
Zu den wichtigsten philosophischen Schriften gehören:
- die zwölf Upanishaden (800 – 200 v.Chr.) als philosophischer Teil der vedischen Schriften,
- die Bhagavad Gita (500-200 v.Chr.) als die Vorreiterin des Vedanta, das im frühen Mittelalter zur Blüte kommt.
- das Yoga Sutra (200-300 n. Chr.), das von der Philosophie des Samkhya geprägt ist
- die Hatha Yoga Pradipika, das erstmals die vorher geheim gehaltenen körperlichen Übungen beschreibt.
Yoga kommt in den Westen
Während der Kolonialzeit begannen Wissenschaftler sich für die alten Yogaschriften zu interessieren. Auf dem Weltkongress der Religionen hielt Vivekananda eine flammende Rede, die auf Yoga aufmerksam machte. In einer zweiten Welle reisten Mitte des 20. Jh. indische Gelehrte durch die Welt und verbreiteten das Wissen über Yoga. In den 70ern begann sich die Hippie-Szene zu interessieren. Yoga bot eine exotische Möglichkeit, bewusstseinserweiternde Erfahrungen zu machen. In einer dritten Welle entdeckte man die heilsame Wirkung auf das gestresste Nervensystem. Yoga wurde zur Gesundheitsprävention und Therapie bei psychischen Erkrankungen.
