Yoga-Philosophie

Yoga-Philosophie

Yoga war ursprünglich eine Philosophie-Richtung. Vor 2.500 Jahren gab es in Indien sechs Philosophieschulen, eine davon war Yoga. Eine weitere Schule, die Samkhya-Schule, war mit Yoga eng verbunden. Yoga galt als praktische Umsatzung des Samkhya. Nach Auffassung des Samkhya sind Körper und Seele getrennt. Der Körper wird verneint, denn das Verlangen und die Triebe hindern den Menschen an seiner Vollkommenheit. Daher versuchten die Yogis, den Körper zu überwinden. Wer asketisch lebte, konnte die Seele befreien. Zu dieser Zeit wurde Buddha in Indien geboren. Er ging bei vielen Yoga-Gurus in die Lehre. Beinah wäre er verhungert, wenn ihn Kinder nicht gerettet hätten. Daraufhin wandte er sich vom asketischen Yogaweg ab und lehrte den mittleren Weg. jenseits aller Extreme.

Die buddhistischen Strömungen haben den Yoga stark beeinflusst. Im frühen Mittelalter schloss sich Yoga der Vedanta-Philosophie an. Es galt nicht mehr den Körper zu verneinen, sondern die Begrenztheit der Wahrnehmung zu erkennen. Man war der Meinung, dass die Welt, so wie wir sie wahrnehmen, eine Illusion ist. Es ist so, als betrachten wir die Welt durch ein trübes Glas. Aber durch die Übung des Yoga lässt sich die Wahrnehmung schärfen. In diesem Bewusstseinszustand erkennen wir die Welt, wie sie wirklich ist. Dann sehen wir, dass alle Dinge und Lebewesen eins sind. Unsere Seele (Atman) ist vereint mit der Allseele (Brahman).

Tat tvam asi = Das bist Du

Chandogya Upanishad 6.9.4

Dieser Satz drückt aus, dass der Mensch und Brahman eins sind. Es gibt keine Trennung. Eine sehr moderne Sichtweise. Die moderne Physik kommt zu zu ähnlichen Erkenntnissen. Immer mehr Phänomene, die man früher für getrennt hielt, erweisen sich inzwischen als zusammengehörig: Schwerkraft im Kosmos und auf der Erde; Elektrizität und Magnetismus; Raum und Zeit.

Das gilt natürlich nicht in unserem Alltagsverständnis. Dort bleiben wir getrennt, haben eine Identität und das ist für unser psychisches Wohlbefinden auch gut so. Aber hinter den Kulissen dort gibt es eine Wahrheit, die uns vereint.

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