Achtsamkeits-Yoga Franz Bocchio

Achtsamkeits-Yoga, das Buch von Frank Bocchio

Wenn Sie mich fragen, welche Bücher meine Arbeit maßgeblich beeinflusst haben, dann nenne ich zuerst das Buch Achtsamkeits-Yoga von Frank Boccio. Nachdem ich meine Yoga- und MBSR-Lehrerausbildung abgeschlossen hatte, suchte ich nach einer Möglichkeit beide Ansätze zu verbinden. Schon in der MBSR-Ausbildung lernte ich, Yoga in einer meditativen Form zu unterrichten. Das reichte mir nicht, ich suchte nach einer theoretischen und praktischen Baisis. Da stieß ich auf das Buch Achtsamkeits-Yoga von Boccio.

Boccio ließ sich bei John Friends als Anusara-Yogalehrer ausbilden. Er ist aber nicht nur ein Experte im Yoga, sondern auch in der buddhistischen Lehre. Das buddhistische Dharma lernte er bei Tich Nhat Hanh, der ihn in die Ordensregeln einweihte. Als Dharma-Lehrer des Zen wurde er bei Samu Sunim ausgebildet. Boccio weiß wovon er spricht, wenn er buddhistische Achtsamkeit mit Yoga verbindet. Er nennt seinen Stil einen „buddhistisch-meditativen Ansatz für die Praxis der Yoga-Asanas“ (Achtsamkeits-Yoga, Boccio). Erstmals erhalten die Körperübungen des Yoga, die zumeist auf eine rein vorbereitende Rolle für die Meditation beschränkt bleiben, einen neuen Stellenwert als eigenständige, wahre und tiefe Medita­tionspraxis.

Die vier Stufen des Achtsamkeits-Yoga

In den buddhistischen Lehrschriften enthält das Anapanasati-Sutta die zentrale Meditationsanleitung. Zuerst wird die Wahrnehmung auf den Atem gerichtet und beobachtet, ob er kurz oder lang ist. Gleichzeitig wird die Wahrnehmung auf den Körper gerichtet. Das bezeichnet Buddha als die erste Verankerung des Geistes. Darauffolgend wird die Wahrnehmung auf die Gefühlen, die Gedanken und zuletzt auf die Grundideen des Buddhismus, dem Dharma gerichtet. Diese werden als drei weitere Verankerungen des Geistes bezeichnet. Wie in den letzten Versen beschrieben, geht es um die Überwindung des Leidens, das zentrale Thema des Buddhismus. Leid entsteht, weil wir Dinge festhalten wollen, die wir nicht festhalten können. Dies ist nicht möglich, weil sie alles vergänglich ist, leider auch das Glück. Doch wer sich der Vergänglichkeit bewusst ist, kann leichter loslassen oder auch Unangenehmes akzeptieren. Loslassen bedeutet Freiheit, frei zu sein von Verlangen und Begierden. Es geht aber auch darum, den Geist zur Ruhe zu bringen wie im Yoga, Freude zu empfinden und friedvoll zu werden, so die letzten Verse.

Bocchio schreibt, das Anapanasati-Sutta sei wie „ein Dialog mit dem eigenen Sein“, das die Kenntnis der buddhistischen Lehre Stufe um Stufe vertieft. Damit wir die Lehre besser verstehen, schreibt Boccio für jede Stufe eine Einleitung. Man benötigt keine Kenntnisse in buddhistischer Philosophie. Die Texte sind ist leicht verständlich geschrieben und enthalten zur Verdeutlichung viele praktische Beispiele. Sie beschreiben die vier edlen Wahrheiten des Budhhismus, die tiefe Weisheit über das menschliche Leiden und wie das Leiden zu überwinden ist.

Für jede Meditationsstufe hat Boccio eine eigene Übungsreihe entwickelt. Die Übungsreihen kommen aus dem Hatha-Yoga und erfordern eine gewisse Übungspraxis. Für Anfänger sind sie weniger geeignet. Was die Übungen so besonders macht, ist die Anleitung. Boccio kommt es weniger auf die körperliche Präzision an als auf die bewusste Wahrnehmung. Er schreibt, es komme ihm eher darauf an, die Asanas im Körper zum Leben zu erwecken, als den Körper in eine Asana zu zwingen.

Diese Art der Anleitung hat meinen Unterrichtsstil beeinflusst. Wenn Sie mehr über meinen Yoga-Unterrichtsstil erfahren wollen, dann lesen Sie bitte hier weiter.

Anapanasati Sutta (Übersetzung Thich Nhat Hanh)

Achtsamkeit in der Betrachtung des  Körpers

  • Wenn ich lang einatme, weiß ich, ich atme lang ein
    Wenn ich lang ausatme, weiß ich, ich atme lang aus
  • Wenn ich kurz einatme, weiß ich, ich atme kurz ein
    Wenn ich kurz ausatme, weiß ich, ich atme kurz aus
  • Einatmend bin ich mir meines ganzen Körpers bewusst
    Ausatmend bin ich mir meines ganzen Körpers bewusst
  • Einatmend lasse ich meinen Körper ruhig und friedvoll werden
    Ausatmend lasse ich meinen Körper ruhig und friedvoll werden

Achtsamkeit in der Betrachtung der Gefühle

  • Wenn ich einatme, empfinde ich ein Gefühl der Freude
    Wenn ich ausatme, empfinde ich ein Gefühl der Freude
  • Wenn ich einatme, empfinde ich ein Gefühl des Glücks
    Wenn ich ausatme, empfinde ich ein Gefühl des Glücks
  • Einatmend bin ich mir all meiner Gefühle bewusst
    Ausatmend bin ich mir all meiner Gefühle bewusst
  • Einatmend lasse ich mir meiner Gefühle ruhig und friedvoll werden
    Ausatmend  lasse ich mir meiner Gefühle ruhig und friedvoll werden

Achtsamkeit in der Betrachtung der Gedanken

  • Wenn ich einatme, bin ich mir meines Geistes bewusst
    Wenn ich ausatme, bin ich mir meines Geistes bewusst
  • Einatmend erfreue ich meinen Geist
    Ausatmend erfreue ich meinen Geist
  • Einatmend sammle ich meinen Geist
    Ausatmend sammle ich meinen Geist
  • Einatmend befreie ich meinen Geist
    Ausatmend befreie ich meinen Geist

Achtsamkeit in der Betrachtung der Dharmas

  • Einatmend, bin ich mir der Vergänglichkeit bewusst
    Ausatmend, bin ich mir der Vergänglichkeit bewusst
  • Einatmend, bin ich mit der Auflösung allen Anhaftens bewusst
    Ausatmend, bin ich mit der Auflösung allen Anhaftens bewusst
  • Einatmend, betrachte ich die vollkommene Befreiung
    Ausatmend, betrachte ich  die vollkommene Befreiung
  • Einatmend, betrachte ich das Loslassen
    Ausatmend, betrachte ich  das Loslassen
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